Die Ärzte, die Krankenhäuser, die Politiker

It's a maexotic world ...


Da haben Ärzte doch tatsächlich Patienten an Krankenhäuser "verkauft". Ok, das ist sicher nicht nett, vielleicht sogar unethisch, aber genauso ein Geschäft, wie es viele Millionen Male in anderen Branchen täglich passiert. Sei es in nicht so ganz gesellschaftstauglichen Bereichen, wenn Taxi-Fahrer Liebesbedürftige an ihre Stamm-Bordelle fahren und dafür eine Vermittlungsprämie kassieren, sei es in diversen Clubs und Verbänden, die "Kooperationen" mit Bankinstituten, Kreditkarteninstituten oder Versicherungen schließen, wovon "ganz klar" die Mitglieder profitieren, die dadurch "Vergünstigungen" erhalten. Nein, nein, sonst profitiert da niemand davon, alles nur für die Kunden. Und natürlich ist es nur zum Besten der Menschen, wenn sich die Politiker mit Lobbyisten und Waffenhändlern treffen und sich von denen aushalten (Essen, Reisen, Urlaub, Prostituierte, ...) lassen.
Soviel zum "Außergewöhnlichen" derartiger Vorfälle.

Natürlich sind die Schreier schnell bei der Hand:

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD):
"Kumpanei zum Schaden der Versicherten"
Verstehe ich nicht. Haben wir nicht ein flächendeckendes System der gleichmässigen Gesundheitsversorgung mit garantiert hoher Qualität? Haben wir nicht fixe Kostensätze für Leistungen und Medikamente? Wieso ist dann ein Versicherter betrogen oder wird ihm Schaden zugefügt, wenn der Arzt einen Blinddarmpatienten statt in KKH A in KKH B einliefert, gerade wenn sie auch noch in der gleichen Stadt sind? Und wenn doch KKH B so mies ist und die Ärzte dort lauter Kurpfuscher, warum werden sie nicht rausgeschmissen? Und bin ich denn daran gebunden, dahin zu gehen, wohin der Arzt das gerne hätte? Nein. Eben!
Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD):
Beispiel Krebspatienten: "Sie müssen in die Klinik verlegt werden, die optimal für die Behandlung ihrer speziellen Krankheit geeignet ist, nicht in das Krankenhaus, das die meisten Bestechungsgelder auf den Tisch legt. Wer nicht optimal versorgt wird, geht ein höheres Todesrisiko ein. Da dürfen Patienten nicht vom Arzt versteigert werden, sondern sie müssen nach bestem Wissen und Gewissen an die geeignetste Klinik überwiesen werden."
(Quelle: Ad Hoc News)
Aha ... es gibt also Krankenhäuser, die nicht "optimal" für (Krebs-)Patienten geeignet sind. Was heißt denn "nicht optimal"? Und wieso dürfen Krankenhäuser überhaupt Patienten aufnehmen, für die sie nicht geeignet sind? Und woher weiß ich denn (oder der Arzt), ob ein Krankenhaus für den Patienten "geeignet" ist? (Ich bin kein Arzt, vielleicht muß man sowas als Arzt wissen, aber kennt jeder Arzt alle Fachbereiche aller Krankenhäuser und deren fachliche Bewertung? - glaube ich nicht). Im übrigen halte ich das Beispiel für mehr als konstruiert, aber als Experte, will man halt auch mal was Tolles daherlabern, was die Presse druckt, vor allem im Wahljahr.

Da stellen sich mir ein paar weitere Fragen;

  • Ist es denn auch böse, wenn im Erdgeschoß eines Ärztehauses auch gleich eine Apotheke ist?
  • Ist es böse, wenn ein Zahnarzt immer den gleichen Kieferorthopäden oder immer das gleiche Dentallabor beauftragt?
  • Ist es böse, wenn ein Arzt für die Auswertung von Blutproben immer das gleiche Labor beauftragt?
  • Ist es böse, wenn mir der Orthopäde eine Überweisung für eine CT ausschreibt und erwähnt, dass eine Praxis, die das machen kann, hier gleich um die Ecke ist?
  • Ist es böse, wenn ich mir jeden Monat für 500 € in immer der gleichen Apotheke Medikamente hole und dafür statt der Packung Papiertaschentücher schon mal ein Shampoo, eine Pflegecreme oder eine Packung Tee geschenkt bekomme?
  • Ist es denn in Ordnung, wenn ich als Patient auf ein Medikament verzichten muß, mit dem über die Jahre hinweg eine optimale Einstellung/Dosierung gefunden wurde und das jetzt zugunsten eines anderen Medikaments eines anderen Herstellers mit geringfügig (har har) anderer Zusammensetzung nicht mehr von der Krankenkasse bezahlt wird und somit alles mehr oder weniger von vorne losgeht?
  • Ist es in Ordnung, wenn man die Kassenpatienten im Unklaren darüber läßt, wie teuer die Medikamente sind? Wenn man jahrelang selbst 5 € zuzahlt und dann feststellt, dass das Medikament (das man ja jetzt auch nicht mehr bekommt, weil zu teuer) gerade mal 5.65 € kostet (die Kassenleistung also gegen null geht, man aber 10 € Praxisgebühr für das Rezept an die Krankenkasse abdrückt) und man, fuer 0.65 € mehr, es auch weiterhin haben kann, wenn man auf die tolle Krankenkasse und ihre Pharma-Verträge pfeift?

Am besten gefällt mir in der Debatte bisher aber:

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU):
"Patienten sind keine Handelsware"
Anscheinend hat sie mit ihrer Kollegin Ursula von der Leyen zusammen die letzten 1000 Jahre unter einem Stein gelebt.
Seit wann sind Patienten keine Handelsware? Wie sonst könnte eine Arztpraxis einen Wert haben, gemessen an der Anzahl der Patienten? Oder ein Arzt eine Reputation basierend auf den klingenden Namen seiner Kunden? Solange ein Gesundheitssystem "wirtschaftlich" ausgelegt ist, sind Patienten immer "Handelsware". Das fängt schon beim Buhlen der Krankenkassen um Mitglieder an und hört nicht bei den Ärzten auf, die Patienten gegen Geld an Krankenhäuser verschachern.

Was ich aber äußerst bedenklich finde ist, dass das weder der Bundesgesundheitsministerin noch der Verbraucherschutzministerin klar zu sein scheint. Also kriecht doch einfach zurück unter den Stein oder fahrt doch wieder mal mit dem Dienstwagen in den Urlaub, aber haltet euch aus solchen Diskussionen und Entscheidungen einfach raus.

Und dann hätte ich gerne jemanden, der sich darum kümmert, dass man z.B. in München als Kassenpatient einen ganz simplen Termin beim Augenarzt zum Durchchecken unter 8 Wochen kriegt (schon erstaunlich, wo wir doch viel zu viele Ärzte haben) und ich hätte auch gerne, dass manche Ärzte ihr Kassenbudget nicht schon Mitte des Monats aufgebraucht haben und dann die Praxis zusperren könnten, weil irgendwelche Politiker und sonstige Bonzen sich irgendwelchen weltfremden Blödsinn ausdenken.

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