Ursula von der Leyen wird was klar

It's a maexotic world ...


Unsere Familienministerin hat ein Interview mit der FAZ geführt. Natürlich ging es um die Internetsperren und die Aussage „Das Internet kann kein rechtsfreier Raum sein“.

Auf die Frage "Wann und wie sind Sie darauf gekommen, diesen Vorstoß im Wahljahr zu unternehmen?" sagt sie:

In der Vorbereitung einer internationalen Konferenz zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung in Rio, die im November stattgefunden hat. Da ist mir zum ersten Mal klar geworden, was eigentlich Kinderpornographie ist. Ich habe das Ausmaß des Grauens vorher nicht gekannt. Mir war nicht klar, dass die Kinder vor laufender Kamera geschändet werden, sie zum Teil getötet werden, die Schreie der Kinder im Internet hörbar sind. Dass diese bewegten Bilder in Massen im Internet gezeigt werden. Und mir war bis zu diesem Zeitpunkt nicht klar, dass europäische Länder um uns herum, aber auch Kanada und Neuseeland seit Jahren dagegen kämpfen und an uns vorbeigezogen sind. Sie haben die Internetsperren eingebaut, mit großem Erfolg.

Jetzt würde mich dann doch mal interessieren, wo Frau von der Leyen so die letzten - hmm - 30 Jahre zugebracht hat? Unter einem Stein gelebt? Ihr war nicht klar, dass die Kinder vor laufender Kamera geschändet werden? Was glaubt sie wohl war dann auf den Kinderporno-Videocassetten drauf, die jahrelang per Post verschickt wurden, bevor das Internet andere Distributionswege eröffnet hat? Und die Schreie der Kinder sind nicht im Internet hörbar, sondern sie sind in den Lautsprechern der Computer von Perversen und Kriminellen hörbar, auf denen die Filme abgespielt werden. Genauso wie sie in den Lautsprechern der Fernsehgeräte hörbar waren, auf denen die Videocassetten abgespielt wurden.

Diese polemische und propagandistische Meinungsmache von offensichtlich technisch und gesellschaftlichen vollkommen unwissenden, hilflosen, unbedarften und fehlbesetzten Politikern nervt.

Um Erfolg messen und ihn als groß bezeichnen zu können braucht es eine Meßgröße und ein Meßverfahren. Ich könnte mir da einiges vorstellen:

  • Rückgang der Anzahl mißbrauchter Kinder
  • Rückgang der Anzahl von Server mit kinderpornographischen Inhalten (z.B. in Deutschland)
  • Rückgang des durch kinderpornographische Inhalte verursachten Umsatzes
  • Rückgang der kinderpornographischen Inhalte, die bei den Pädophilen ankommen
Dazu würde ich gerne mal belegbares Zahlenmaterial sehen.

Jemand der 50 Jahre lang (davon drei als Bundesfamilienministerin) nicht verstanden hat was Kinderpornographie bedeutet und offensichtlich keinerlei Ahnung hat was Internetsperren technisch bedeuten und wie die (Kinder-)Pornoindustrie funktioniert will allen Experten sagen, was sie tun sollen und warum das was nützt.

Schon klar.

Ein Insider-Artikel auf Wikileaks, der recht leicht zu finden(*) ist, beschreibt unter "4. Die heutige Technologie" ziemlich detailliert, die Methoden, die sich übrigens nur sehr wenig von denen unterscheiden, die die ganzen spam-/fraud- und phishing-Botnets verwenden (2-3 Levels von Indirektion, Aufgabenverteilung, kurze Lebenszeiten, Proxies, Backplane Content Server). <ironie> Da hat das mit den Blacklists ja schließlich auch ganz hervorragend funktioniert und spam/fraud/phishing gibt es überhaupt gar nicht mehr. <ironie>

(*) Da dieser Artikel auf verschiedenen Aggregatoren erscheint, und die Ermittlungsbehörden mittlerweile auch Besitzer von Systemen aufmischen, die auf derartige Artikel verlinken und zum Aufspüren SeachEngines mit "links to"-Suchen verwenden und ich die Betreiber der Aggregatoren nicht in Schwierigkeiten bringen will, habe ich den Link nicht direkt gesetzt

Comments

  1. Gleiches gilt im Übrigen auch für den Tausch jeglichen urheberrechtsgeschützten Materials.
    Als es das Internetzdings noch nicht gab ist man eben mit nem Haufen Datenträger auf Tauschparties gegangen.
    Die Verbreitungskanäle zu stopfen ist purer Aktionismus mit der Hoffnung auf ein gutes Wahlergebnis. Das Übel an der WUrzel zu packen ist, wie (fast) immer, nicht opprtun.
    Reply

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