Verrechnet?

It's a maexotic world ...


Letzt' haben wir ein Interview im Radio gehört über eine Firma, die im tiefsten Bayerischen Wald sitzt und verzweifelt nach IT-Leuten sucht und keine findet. Sie haben zwar Bewerber, aber wenn diese hören, wo der Sitz der Firma ist, sind sie abgeschreckt.

Im Rahmen dieses Interviews kam auch ein Mitarbeiter zu Gehör, der aus dieser Gegend kam und sich eben gezielt dort einen Arbeitsplatz gesucht hat. Und anderem sagte er sinngemäß:

Natürlich verdiene ich hier weniger, als ich z.B. in München verdienen würde, dafür sind aber auch meine Lebenshaltungskosten und die Miete viel günstiger.

Zum einem verstehe ich nicht, warum die Firma dort weniger zahlt? Der Geschäftsführer meinte sie müßen Aufträge ablehen, weil sie es vom Arbeitsvolumen her nicht schaffen. Die Arbeiter liefern wohl keine schlechtere Arbeit ab als anderswo. Die Miete für die Geschäftsräume und ortsbezogene Steuern (z.B. Gewerbesteuer) sind in solchen Gebieten oftmals wesentlich niedriger als in Ballungsräumen. Warum erhalten die Arbeiter also weniger Gehalt?

Was der gute Mitarbeiter nicht berücksichtigt hat ist, dass sich nach seinem Einkommen auch jede Menge Sozialleistungen und u.a. auch die Rente berechnen. Wird er also arbeitslos, berechnet sich sein Arbeitslosengeld anhand des letzten Einkommens. Findet er in einem strukturschwachem Gebiet keinen Job, muß er woanders hinziehen, um einen neuen Job zu bekommen. Dort sind die Lebenshaltungskosten vielleicht wesentlich höher, so dass er während der Jobsuche, bei ohnehin reduziertem Einkommen, viel mehr Geld ausgeben muß. Zudem orientiert sich das neue Gehalt ja auch nicht selten am letzten Gehalt, d.h. er wird eventuell weniger verdienen als jemand der vorher schon in diesem Gebiet mit höherem Gehalt tätig war.

Nicht zuletzt zahlt er auch erheblich weniger in die Rentenversicherung ein als jemand, der in einem teueren Gebiet gelebt hat und deshalb mehr verdient hat. Letzterer kann, falls die Rente nicht reichen sollte, in ein billigeres Gebiet ziehen und dann doch noch über die Runden kommen, da er dann immer noch mehr erhält als derjenige, der schon immer da gelebt hat und mit weniger auskommen muß.

Soziale Gerechtigkeit und Sozialpolitik ist schwer und so ein Leben will lange im Vorhinein geplant sein.

Comments

    • Posted byMela
    • on
    Die Firma scheint mir auch nicht wirklich beweglich zu sein. Wenn es eine IT-Firma ist, dann müssen die Leute nicht zwingend vor Ort arbeiten.

    Scheint mir die brauchen mal ne gründliche Beratung zum Thema kolaboratives Arbeiten und Homeoffice.
    Reply

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