Fehlgeleitete kapitalistische Ansichten der (Computer-)Spieleindustrie

It's a maexotic world ...


Ich habe heute ein Interview mit Dr. Michael Capps, dem Präsidenten von Epic Games (Unreal, Gears Of War) auf gamesindustry.biz gelesen. Darin weint er unter anderem, dass seiner Firma ganz ganz ganz viel Geld durch die Lappen geht, wenn die Spiele "second hand" weiterverkauft werden. Er hat aber auch eine Lösung für das Problem parat:

I've talked to some developers who are saying "If you want to fight the final boss you go online and pay USD 20, but if you bought the retail version you got it for free". We don't make any money when someone rents it, and we don't make any money when someone buys it used - way more than twice as many people played Gears than bought it...

Geht's noch!? Es soll ja wohl auch Leute geben, die spielen ein Spiel mehr als einmal. Und beim zweiten Mal soll ich dann auch nochmal dafür bezahlen? Und bei jedem weiteren Mal?

Was für ein geniales Konzept. Das wäre doch sicher auch etwas für Autohersteller (Autos sind immer ein gutes Beispiel, wenn man Vergleiche machen will). Jeder, der sich ein Auto kauft, muß vorab eine DNA-Probe abgeben. Beim Erstkauf ist der Abgleich der Software im Auto mit der DNA-Probe im Preis inbegriffen. Bei einem Weiterverkauf muß der Käufer 5000 EUR zahlen, damit die Software auf seine DNA umgestellt wird. Um das Auto starten zu können, muß die DNA passen und das war ueber einen Sensor am Lenkrad abgefragt. Oder noch besser! Die Autos sind ja demnächst auch alle online. Jeder darf das Auto fahren, aber jedes Anlassen kostet 20 EUR. Da kann ein Stau ganz schön teuer werden.

War nicht die Idee hinter dem Preis eines Produktes, dass er so ausgelegt ist, dass er den Entwicklungskosten + Herstellungskosten + Vertrieb + Gewinnmarge geteilt durch die Anzahl der zu erwartenden Verkäufe entspricht (na ja, so ungefähr zumindest). Dann habe ich das Produkt gekauft und dann gehört es mir. Ich lease die Spiele nicht, ich miete sie nicht, ich erwerbe sie und das ist mit dem Kaufpreis abgegolten. Ab da kann ich damit machen was ich will: spielen, weiterverkaufen, verschenken und (nicht kommerziell) an Freunde verleihen.

Im Prinzip nervt mich das auch an Kauf-Musik. Ich kaufe eine CD mit Musik drauf. Damit erwerbe ich zwei Sachen:

  • einen - wie auch immer gearteten - Datenträger (der bei Download auch auch quasi entfallen kann)
  • eine Lizenz, diese Musik so oft ich will zu hören

Geht nun die CD kaputt, so habe ich immer noch die Lizenz zum Hören und die ist nach dem Defekt des Datenträgers noch gültig und darauf habe ich Anspruch. Ich muß also das Recht haben, eine erneute Kopie der Musik zu einem Unkostenbeitrag zu erhalten und natürlich muß ich das Recht haben mich gegen Verlust/Defekt des Datenträgers abzusichern und mir eine Kopie zu machen. Ich kopiere ja nicht die Lizenz sondern das Mittel zum Zweck, um diese Lizenz überhaupt nutzen zu können.

Doch zurück zur Spieleindustrie ...

Auch Nintendo versucht sich an neuen Arten des Geldverdienens. Anfang Dezember wird in Europa mit "Animal Crossing: Let's Go to the City" die Wii-Version von Animal Crossing erscheinen. Wir haben das auf dem GameCube und dem DS mit einiger Begeisterung gespielt. Als Bundle zu diesem Spiel wird das neue "Wii Speak" verkauft. Dabei handelt es sich um ein Mikrofon, mit dessen Hilfe man mit anderen Spielern live quatschen kann, während man z.B. zusammen in Animal Crossing im gleichen Dorf ist und zusammen spielt. Soweit so gut.

Damit man das "Wii Speak" auch außerhalb des Spieles verwenden kann, muß man sich wie üblich einen "Channel" installieren. Potentielle Käufer von "Wii Speak" dürfte aber abschrecken, was das MTV Multiplayer Blog über Wii Speak zu berichten hat:

But there’s a catch, a fine print surprise. There is a pamphlet packaged with the peripheral that includes a 16-character code, a “Wii Download Ticket Number,” to be used for downloading the Wii Speak Channel. According to the pamphlet, this code “cannot be replaced by Nintendo or your retailer if it is lost or stolen.”

A Nintendo rep further clarified to me that the channel won’t be able to be downloaded through any other means. You won’t be able to get it off the Wii Shopping Channel manually, nor would you be able to buy it. Essentially, the Wii Speak Channel will be available to new purchasers of the Wii Speak mic and that’s it.

Tja Nintendo. Ich hoffe inständig dass das den Verkaufszahlen des "Wii Speak" extrem abträglich sein wird. Wir werden uns definitiv erst einmal Animal Crossing ohne das Mic besorgen. Und sollte es tatsächlich der Fall sein, dass man das Mic nur für eine einzige Wii quasi branden kann, dann hoffe ich, dass euch das Zeug im Lager verrottet.

Man stelle sich das einmal bei klassischen Brettspielen vor. Man kauft ein "Mensch ärgere Dich nicht" und kannes nur zuhause auf einem einzigen Tisch spielen. Kauft man sich irgendwann später einen neuen Wohnzimmertisch oder geht zu Freunden, kann man das Spiel nicht mehr spielen.

Klasse Nintendo! Das muß sich echt ein Mega-Super-Brain ausgedacht haben. Das wirklich traurige daran ist, dass der heutzutage vorherrschende Grad an Bildung und Kosumverhalten wahrscheinlich dazu führt, dass die Leute es trotzdem kaufen werden.

Comments

    • Posted byNRj_66
    • on
    .....verschenken und (nicht kommerziell) an Freunde verleihen....

    Mieten ist die entgeldliche Überlassung einer Sache, verleihen die unentgeltliche.
    Somit kann man eigentlich nicht kommerziell verleihen, oder es wär halt echt ein "Scheiß -bzw. No Win Geschäft"

    Möchte ich nur mal so anmerken !

    NRj_66
    Reply
    • Posted byMaex
    • on
    Diese Unterscheidung gibt es nur im juristischen, nicht im spachlichen Gebrauch, so, wie bei vielen anderen Begriff auch. Zudem zeigt die Verwendung in Videoverleih, Autoverleih, ..., dass es nicht einmal im geschäftlichen Verkehr (Wettbewerb) als irreführend gilt. Da ich hier ein Blog und keine juristischen Abhandlungen schreibe (und das auch nicht vorhabe) denke ich, dass sich sich die Verwendung nicht 100% juristisch korrekter Begriffe verschmerzen läßt. Danke aber für den Hinweis.
    Reply
    • Posted byNRj_66
    • on
    Na, höre mir bloß mit "Rechtsverdreherdeutsch" auf, aber so habe ich es gelernt und dafür eine "Eins" auf dem Zeugnis bekommen. Allerdings war ich auch schon froh, das ich im INet eine kostenlose Seite "Anwalt-Deutsch/Deutsch-Anwalt" gefunden habe. Und Bitteschön. Und entschuldige bitte, das ich deine Antwort, für die ich mich bedanken möchte, erst jetzt lese. Das Argument mit dem Autoverleih hat mich allerdings so sehr überzeugt, das ich den nächsten Autoverleiher ganz legal verarschen werde. :-)))
    Reply
    • Posted byTom 23
    • on
    Hallo, danke das du dass schreibst die sache sieht aber schon seit Half.life 2 Schlimm aus. Ein Spiel welches nicht mal einen Multiplayermodus Besitzt ist nur mit Permanenter I-Net Verbindung spielbar.
    Seitdem verdienen Tlekom, Kabel Deutschland und co ein Heidengeld. Wozu brauche ich Internet wenn ich spielen will? I.Net, nur damit man spielen (Singleplayer) kann? Starcraft 2 allerdings setzt dem ganzen noch die Krone auf:
    1. Internet Zwang
    2. lief erst nach mehreren Updates auf meinem Core I7 ! System
    3. Ein drittel des Spiels (Nur eine Rasse) wird zum Vollpreis verkauft. (die restlichen 2 Teile sollen wohl jeweils genauso viel kosten)

    Das ist kein Zufall ! Dies Spieleindustrie hat viele von uns in der Jugend süchtig gemacht und jetzt werden die Preise angezogen.

    Das ist nicht die Mentalität von kreativen Köpfen sondern die von Drogendealern.

    Wo ist der Verbraucherschutz wenn man ihn bracuht?
    Reply

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