Fehlverhalten

It's a maexotic world ...


"The picture that shames Italy" titelt Peter Popham vom "The Independent" seinen Artikel über den Tod zweier Mädchen in Italien. Ein bisschen reißerisch würde ich sagen, vor allem weil er die Situation auf die mangelnde Integration der Roma in Italien abstellt.

Was war passiert? Vier Roma-Mädchen hatten versucht auf einem nicht für den Badebetrieb freigegeben Strandabschnitt (wegen Steinschlags) den dort Badenen und sich sonnenden Tand zu verkaufen. Aufgrund der hohen Temperaturen beschlossen die Mädchen sich im Meer abzukühlen. Obwohl sie nicht schwimmen konnten, sind sie wohl ein gutes Stück weit ins Meer hin. Eine starke Welle hat dann zwei von ihnen gegen die Felsen geschleudert. Während die anderen beiden von Badenden an den Strand gebracht wurden, konnten Rettungsschwimmer diese Mädchen nur noch tot bergen. Sie lagen anschließend wohl eine Weile (verschiedene Berichte sprechen von ca. 30 Minuten bis stundenlang) am Strand mit Badetüchern bedeckt.

Das Bild, dass nun "ganz Italien beschämt" zeigt die bedeckten toten Mädchen und im Hintergrund Menschen am Strand, die trotzdem noch in der Sonne sitzen. Und das - so schreibt der Autor oben genannten Artikels - zeigt die Gleichgültigkeit der Italiener den Roma gegenüber. Haben denn die Menschen überhaupt gewusst, dass es Roma waren? Was er ebenfalls nicht schreibt ist wie die Leute sich denn hätten verhalten sollen. Wie verhält man sich, wenn man an einem Badestrand ist, zwei Mädchen ertrinken und deren Leichen dann für einige Zeit bedeckt im Sand liegen bis der Leichenwagen kommt, um sie abzuholen? Packt man alle Sachen ein und geht nach Hause? Oder zieht man um, zu einem anderen Platz in etwas größerer Entfernung? Wie groß ist der soziale Abstand, den man in einem solchen Fall einnehmen muß? 100 Meter, oder 200 oder ein Kilometer? Wir haben darüber gesprochen und ehrlich gesagt: ich weiß nicht was ich tun würde.

Ich habe leider zweimal erleben müssen, dass in einem Schwimmbad Kinder ertrunken sind. In einem Fall lies sich das Kind glücklicherweise wiederbeleben. Diese Fälle waren vielleicht auch nicht so extrem, denn beidesmale war innerhalb von 15-30 Minuten ein Rettungswagen vor Ort, der in einem Fall das Kind mitgenommen hat, im anderen haben sie es mit einer Bahre in die Räume des Bademeisters verbracht, bis der Leichenwagen es abgeholt hat. Aber auch hier war es nicht so, dass alle Leute eingepackt haben und nach Hause gegangen sind. Es sind sogar Leute im Schwimmbecken geschwommen, während am Beckenrand versucht wurde das Kind wiederzubeleben.

Auf der einen Seite sind Gaffer verpöhnt. Das ist auch richtig so, denn das hat in den wenigstens Fällen etwas mit Mitgefühl zu tun, sondern mit Sensationsgier und darüber hinaus behindern sie meist die Rettungskräfte oder sorgen (wie z.B. auf der Autobahn) für eine zusätzliche Gefahrenquelle. Auf der anderen Seite werden, wie in obigem Artikel, Leute an den Pranger gestellt, die nicht gaffen sondern wohl eher nach einem fatalistischen "passiert ist passiert und das Leben geht weiter" Grundsatz handeln.

Also, wie verhält man sich in einer solchen Situation richtig? Ich weiß es (noch) nicht und sicher wüsste ich es nicht, wenn es mich unvorbereitet treffen würde. Und sicher würde viel von den Umständen abhängen, die ein einzelnes Bild aber ganz bestimmt nicht einfangen kann.

Gerne würde ich den Erzbischof von Neapel fragen was er denn getan hätte. Dieser hat sich nämlich ebenfalls massiv über die Gleichgültigkeit der Badegäste beschwert. Na ja, ich denke ich weiß schon was er getan hätte, er wäre wahrscheinlich tränenüberstömt neben den toten Mädchen gekniet und hätte für ihren Einzug ins Himmelreich gebetet. Für sowas ist es immer praktisch, wenn man eine Religion hat, hinter der man sich verschanzen kann.

Fehlverhalten zu kritisieren ist leicht. Wenn man aber will, dass es in Zukunft besser wird, sollte man den Menschen ein Weg aufzeigen, wie es richtig wäre. Das hat aber keiner der "Kritiker" gemacht und so bleibt bei mir bei allen diesen der sehr schale Nachgeschmack von populistischer Medienpräsenz auf Kosten von zwei toten Mädchen und das ist für mich fast noch schlimmer als Gaffer und zeigt ein Verhalten das vollkommen konträr zum vorgegeben ist.

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