Transrapid: Rechnen und Logik

It's a maexotic world ...


Jetzt ist es also vom Tisch, das bayerische Prestigeprojekt, der Transrapid.

Und der Herr Ministerpräsident war dann auch voll der Enttäuschung und kann gar nicht verstehen, wieso etwas, das im September 2007 noch 1.7 Mrd. Euro gekostet hat heute "plötzlich" 3.4 Mrd. Euro kostet. Und er ist so enttäuscht von den Vorständen von Firmen wie Siemens, Thyssen Krupp, Hoch und Tief, ... (lt. Interview in den Nachrichten des BR), weil die das doch zum Festpreis zugesichert haben und die sind schließlich die "creme de la creme" der deutschen Industrie.

Hallo? poch poch , lieber Landesvater? Sie haben Dich von vorne bis hinten beschissen und Du bist darauf reingefallen. Und wie ehrenwert diese "creme de la creme" ist sollte doch mittlerweile bekannt sein, oder liest man als Ministerpräsident keine Zeitungen mehr?

Außerdem ist da noch das Cheopsgesetz und das wusste schon Robert A. Heinlein (aus "Die Leben des Lazarus Long"):

"Kein Bauwerk wird im Rahmen des Kostenvoranschlags und im gesetzten Zeitrahmen fertiggestellt"

Was mich jedoch zutiefst erschüttert ist, dass offensichtlich an der Spitze der bayerischen Regierung Leute stehen, die derart weltfremd und gutgläubig sind (oder zumindest so tun), dass sie auf deren Gelaber reinfallen. Und was ich dann überhaupt nicht verstehe ist der Spruch "Schuld daran haben all die roten und grünen Kräfte hier in Bayern". Da unser Herr Ministerpräsident weder einen besoffenen Eindruck machte, noch so aussah als wäre er auf Crack, muß es sich wohl um fortgeschrittene geistige Verwirrung handeln, wenn man vergisst was man vor 20 Sekunden gesagt hat und dann nicht mehr die Industrie und die "creme de la creme" schuld sind, sondern plötzlich die politischen Gegner. poch poch Nicht die politischen Gegner haben den Preis in die Höhe getrieben, sie haben nur von Anfang an gesagt, dass es nicht finanzierbar ist und sie haben damit recht gehabt. Aber klar, jetzt wo die Fakten feststehen und man selbst der Gelackmeierte ist, sind mal wieder alle anderen Schuld. Vielleicht tue ich ihm auch unrecht, und er wollte nur dem Gestammel seines Vorgängers in dessen berühmten 1:15 Minuten langen "10 Minuten" nacheifern (von denen es auch eine medienwirksam aufbereitete Version gibt).

Apropos Schuld: Schuld am Wahldebakel der CSU und an der mehr als miesen Wahlbeteiligung sind nicht unpopuläre Gesetze wie das Rauchverbot in Gaststätten (und Lokale sind ja auch Gaststätten und weil die Raucher nicht mehr in Lokale gehen, gehen sie auch nicht mehr zum Wählen in die Wahllokale har har ), sondern der Müll, den die Politiker die ganze Zeit erzählen und den langsam einfach niemand mehr hören kann und will. Deshalb wollen die (Nicht-)Wähler auch mit diesen opportunistischen Weichlingen ohne eigene Meinung ("huch, das Rauchverbot ist bei einem kleinen Teil der Bevölkerung unpopulär und kostet uns Stimmen, dann nix wie wieder weg damit") nichts mehr zu tun haben. Momentan ist einfach keine der etablierten Partien wirklich wählbar, und keiner der Nicht-Wähler will sich zum Vorwurf machen lassen, dass er genau diese gewählt hat. Dass genau das der schlechteste Weg überhaupt ist, ist dem "gemeinen Volk" leider nicht wirklich bewusst (und die kleinen Parteien mit engagierten Wählern profitieren natürlich davon). Ich vermisse ja noch immer das Feld zum Ankreuzen, bei dem "ich finde euch alle scheisse" danebensteht. Ich wette, dann würden viele Nicht-Wähler wieder zur Wahl gehen und dann hätten sich auch die Spekulationen über die mangelnde Wahlbeteiligung aufgrund des zu schönen oder zu schlechten Wetters erledigt; dann wären endlich die Protestwähler als solche klar erkennbar.

Via Isotopp ("Norbert Lammert im Interview") bin ich auf den gleichnamigen Artikel in der FAZ aufmerksam geworden. Darin sagt Bundestagspräsident Norbert Lammert auf die Frage:

FAZ: Herr Lammert, nur noch fünfzehn Prozent der Deutschen halten unser Wirtschaftssystem für gerecht. Beunruhigt Sie das?
Norbert Lammert: Mich beunruhigt weniger diese Zahl als der Trend. Ich sehe, dass sich zunehmend mehr Menschen von Personal und Institutionen in Wirtschaft und Staat distanzieren. Die große Gefahr dabei ist, dass nicht nur einzelne Wirtschaftsführer oder Politiker ihre Glaubwürdigkeit verspielen, sondern das ganze System letztlich keine Akzeptanz mehr findet.

Wendet man das nun auf die "Transrapid-Affäre" an und auf das, was heute herausgekommen ist, dann haben einige Wirtschaftsführer und Politiker im Rahmen dieser Affäre ziemlich viel Glaubwürdigkeit verzockt.

Der Wahlkampf, den die CSU in München geführt hat war auch nicht "toll", wie ihr von der CSU ihn gerne hinstellt, sondern er war geprägt von Rassismus und billigster Propaganda. Und gewonnen hat der (korrekterweise), der das offenbar nicht nötig hat.

Im Herbst ist Landtagswahl. Mal sehen, was wir dann hinterher für Ausreden hören werden.

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