Das Internet lacht - heute über: Jörg Ziercke

It's a maexotic world ...


Dass der BKA-Präsident Jörg Ziercke nicht immer so ganz auf der Höhe ist, hat er uns in der Vergangenheit ja mehrfach bewiesen. Neues Jahr neues Glück. Nun hat er der Welt am Sonntag ein Interview gegeben. Darin sagt er:

Sperren gegen Kinderpornografie wirken, wie das Beispiel Skandinavien zeigt, abschreckend. Dies gilt nach meiner Auffassung auch weiterhin. Denn wer solche Warnschilder bewusst umgeht, hinterlässt Spuren auf seinem Computer. Natürlich veranlassen wir sofortige Löschungen. Aber: Wer mit großem Aufwand Kinderpornografie produziert, verfügt immer auch über Kopien des Materials. Das alleinige Löschen einer IP-Adresse führt damit nicht zum Verschwinden der schrecklichen Bilder aus dem Internet. Natürlich werden wir die im Koalitionsvertrag vorgesehene Evaluierung unterstützen. Die Ergebnisse werden dann zu diskutieren sein.

So so, nun werden also nicht die Bilder und die Webserver gelöscht, jetzt veranlasst das BKA sogar schon, dass IP-Adressen gelöscht werden. :-D Ich wusste bisher nicht, dass man IP-Adressen löschen kann. Aber überlegene Technik des BKA, Made in Germany, macht alles möglich. Ich tippe ja auf den Einsatz von Fisting-Attacken. Dieses Vorgehen des BKA ist jedoch ziemlich asozial, denn der IPv4-Adressraum ist ohnehin schon ziemlich ausgeschöpft und wenn das BKA jetzt daraus auch noch IP-Adressen löscht, führt das zu einer weiteren Verknappung. Obwohl diese Maßnahme unter IPv6-Experten teilweise gar nicht so negativ gesehen wird, könnte sie doch die Einführung von IPv6 beschleunigen:

Also von mir aus kann er den ganzen IPv4-Adressraum löschen und verbieten, nur von IPv6 soll er die Finger lassen!


Mal sehen, ob und was das BKA auf die Anfrage von Jörg Tauss antwortet.


Ein Körnchen Wahrheit

Bei aller Häme, die momentan durch das Internet tobt scheint aber ein Punkt komplett unterzugehen:

Diese Aussage ist der Beweis dafür, dass das BKA selbst nicht glaubt, dass die Warnschilder helfen, denn auch mit Warnschild gilt immer noch:

[...] Wer mit großem Aufwand Kinderpornografie produziert, verfügt immer auch über Kopien des Materials. Das alleinige Löschen einer IP-Adresse Blockieren eines Domainnamens führt damit nicht zum Verschwinden der schrecklichen Bilder aus dem Internet. [...]

Damit wird auch klar, dass die ganze Diskussion um die Internetsperren nur eine schmierige Wahlkampfkampagne war und es weniger um missbrauchte Kinder als politischen Stimmenfang und die Etablierung einer Kontroll- und Zensurinfrastruktur ging. Alleine der Herr Ziercke scheint immer noch nicht verstanden zu haben, dass der Wahlkampf jetzt erst mal durch ist.

Auch bei seinen Aussagen zur Wirksamkeit von Internetsperren scheint Ziercke wenig lernfähig. Schon im März 2009 hatte der Chef der Polizeiermittlungsgruppe gegen Kinderpornografie und Kindesmisshandlung in Stockholm, Björn Sellström, in einem Interview gegenüber focus online erklärt:

Unsere Sperrmaßnahmen tragen leider nicht dazu bei, die Produktion von Webpornografie zu vermindern.




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