Spherble I - Spinne oder Fliege

It's a maexotic world ...


Spinne oder Fliege?

Eine wohl berechtigte Frage in Zeiten des Internet, World Wide Web (WWW) und massiv steigender Zahlen diverser, in sich geschlossener, Social Networks.
Bist Du die Spinne, die ein Netz webt, sich darin bewegt und die Daten kontrolliert, oder bist Du die Fliege, gefangen im Netz der Spinne ohne Kontrolle über Deine Daten?

Geschichtlicher Hintergrund

In den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrtausends hatte man nur geringe Chancen jemanden online zu treffen, der in einem anderen Land wohnte oder bei einer anderen Mailbox (BBS) angemeldet war.
Sorry an Tim Berners-Lee, für die Anlehnung an das berühmte Zitat:

Anyone who slaps a 'this page is best viewed with Browser X' label on a Web page appears to be yearning for the bad old days, before the Web, when you had very little chance of reading a document written on another computer, another word processor, or another network.

-- Tim Berners-Lee in Technology Review, July 1996

Mit der Verbreitung des Internet und vor allem Anfang der 1990er Jahre mit der Erfindung und Etablierung von HTTP und HTML - und damit mit der Geburtsstunde des World Wide Web - hat sich dies grundlegend geändert.
Alle Informationen weltweit sind plötzlich nur noch einen Klick entfernt, internetweit vernetzte Chatsysteme wie der Internet Relay Chat (IRC) ermöglichen durch verbundene Server Echtzeitkommunikation ohne Grenzen und "Free Webspace" (geocities, einer der größten und bekanntesten Anbieter der 90er Jahre und später von Yahoo übernommen, schließt Ende Oktober 2009 seine Pforten) gibt jedermann die Chance eigene Informationen ins Internet zu stellen. Die erste Internet Bibliothek (WWW Virtual Library) versucht über gepflegte Linksammlungen einen zentralen und geordneten Einstiegspunkt zu Wissen zu etablieren.

Gleichzeitig existiert quasi parallel zum Web ein System names Usenet. Beschreiben läßt es sich vielleicht als vielfach repliziertes, hierarchisches Forensystem. Es gibt eine riesige Menge sogenannter Newsserver, die sich gegenseitig synchronisieren, die in unzähligen Gruppen zu den verschiedensten Themen eingestellten Artikel replizieren und somit die eher knappen WAN Ressourcen optimal nutzen. Der eher chaotisch anmutenden Struktur liegen in weiten Teilen demokratisch organisierte Regeln zugrunde, die dem System zusätzlich soziale Stabilität verleihen.

Sehr schön umgesetzt ist außerdem das Prinzip "divide et impera" ("teile und herrsche"). Der Ausfall eines oder mehrerer Knoten hat so gut wie keinen Einfluß auf die Verfügbarkeit des Gesamtsystems.

Durch die tausendfache Replikation ist damit wohl auch der maximale Grad an Offenheit der eingestellten Informationen erreicht. Auch wenn jeder Artikel einen weltweit eindeutigen Identifikator hat, der eine Löschung von Artikeln erlaubt, gibt der Verfasser prima face jegliche Kontrolle über die von ihm eingestelle Information erst einmal auf. Ein Prinzip, das später wiederentdeckt wird, im World Wide Web als "Streisand-Effekt" bekannt ist und durch tausendfache Replikation verhindern soll, dass Daten einfach gelöscht werden. Gegen eine Person vorzugehen mag noch Erfolg haben, etwas gegen Tausende weltweit durchzusetzen ist so gut wie unmöglich.

Heute würde man diese Artikel wohl mit einer (nichtkommerziellen) Creative Commons Lizenz attributieren. Dennoch gehen aus der Sammlung dieser Daten einige kommerzielle Projekte hervor, das bekannteste ist wohl die aus der Newsgruppe rec.arts.movies (via Google)hervorgegangene Internet Movie Database (IMDb). Zuerst werden die Artikel zu Filmen nur umformatiert und für HTML aufbereitet, später zur Kostendeckung mit Werbung versehen und danach - nicht zuletzt aus rechtlichen Gründen - in eine Firma überführt. Ein weiteres bekanntes Projekt ist die Buchausgabe der in der Newsgruppe rec.humor.funny (via Google) zusammengestellten Artikel.

Aus Platzgründen (Plattenplatz ist noch sehr teuer) werden die Artikel auf den Servern oft nur 2-4 Wochen vorgehalten, so dass ein gewisser Kontrollverlust die meisten Benutzer nicht weiter stört oder gar als Problem angesehen wird. Zudem ist der Anteil an persönlichen Daten, die über das System verteilt werden, bestenfalls marginal.
Erst als Deja News und - nach der Übernahme - Google komplette, über viele Jahre zurückreichende Archive des Usenet veröffentlicht und durchsuchbar macht, entsteht bei vielen der "alten Hasen" ob der einen oder anderen "Jugendsünde" diesbezüglich ein neues - aber in diesem Fall zu spätes - Bewusstsein.

Massives Anwachsen von Spam und Mißbrauch und vor allem mangelnde Promotion und geringe Unterstützung bei Massen-ISPs sorgen für eine Abwanderung aus dem Usenet und eine Tendenz hin zu webbasierten Standalone-Forensystemen. Doch auch diese werden von den Spammern sehr schnell als lohnende Ziele ausgemacht, was zu Benutzerregistrierungen und in diesem Zusammenhang auch geschlossenen (selbst zum Lesen anmeldungspflichtigen) Foren führt.

Dies ist die Geburtsstunde der Communities, was aufgrund von Uneinigkeit über Regeln und Machtgelüsten/-kämpfen der Administratoren und Initiatoren sehr schnell dazu führt, dass laufend viele themengleiche aber konkurrierende Communities entstehen - und auch wieder sterben.

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