Der Umgang mit Medien in der Familie

It's a maexotic world ...


Ich weiß, ich höre mich jetzt an wie ein alter Opa, dennoch ...

Als ich jung war, hatten wir ein schnurgebundenes Telefon, das stand im Flur. Wir hatten zwei Fernseher, einen großen im Wohnzimmer und einen kleinen portablen im Esszimmer direkt daneben, der nur mit Erlaubnis und ausnahmsweise von uns Kindern benutzt werden durfte. In unseren Zimmern hatten meine Schwester und ich irgendwann einmal selbstfinanzierte Stereoanlagen und ich hatte im letzten Jahr auf dem Gymnasium einen eigenen Computer (TRS-80), der bei mir im Zimmer stand.

Aufgrund dieses Setups und der Tatsache, dass meine Mutter nicht ausser Haus Arbeiten ging, hatten meine Eltern immer ziemlich klare Vorstellungen davon

  • was und wieviel wir Fernseh schauten
  • wieviel und mit wem wir telefonierten
  • aufgrund der immer überhöhten Lautstärke gezwungenermaßen auch was und wieviel Musik wir hörten.
Das ergab sich einfach von selbst, da die "Medien" ein Teil des familiären Zusammenlebens waren und der Medienkosum auch zwangsläufig direkt im familiären Umfeld stattfand und stattfinden mußte.

Natürlich gab es auch hier die Möglichkeit auszubrechen. Ich kann mich erinnern in einem Monat einen für mich wesentlichen Teil meines Taschengeldes rausgeballert zu haben, weil ich meine damalige große Liebe aus der Telefonzelle angerufen habe. Sowas war aber eher die Ausnahme und ich bin mir sicher meine Eltern wussten davon. Genauso bin ich mir ziemlich sicher, dass sie wussten, dass für eine gewisse Zeit abgebrannte Räucherstäbchen im Zimmer mit experimentellem Zigarettenkonsum korrelierten, genauso wie der übermässige Konsum von Kaugummi. Meine Eltern sind nicht blöd. So im Nachhinein haben sie immer Interesse an "unserem Leben und Umfeld" gezeigt ohne aufdringlich zu wirken oder zu schnüffeln. So oder so ähnlich lief es bei allen meinen damaligen Freunden ab.

Heutzutage ist das alles sehr viel komplizierter:

  • die Kinder haben eigene Fernseher im Zimmer
  • die Kinder haben eigene Telefone/Mobiles
  • die Kinder haben eigene Computer im Zimmer
  • die Kinder haben eigene Spielekonsolen im Zimmer
und verwenden alle diese auch selbstbestimmt (inkl. der Spiele, die sie sich ohne Eltern selbst vom Taschengeld kaufen). Der Medienkonsum ist damit aus dem familiären Umfeld verschwunden und in die geschlossenere Welt der Kinderzimmer eingezogen und die automatische und zwangsläufige Einbeziehung der Eltern in den Medienkonsum ihrer Kinder ist dadurch massiv eingeschränkt bis gar nicht mehr vorhanden. Die Versuche der Eltern trotzdem teilzuhaben spielen sich dann in der "Privatsphäre" Kinderzimmer ab und werden damit sicher leicht als Schnüffeln mißverstanden.

Auch fanden bei uns Gespräche über das laufende und gemeinsam konsumierte Fernsehprogramm statt, von denen ich denke, dass sie gerade in jüngeren Jahren dazu beigetragen haben, dass ich das Gesehene verstehen und zu bewerten gelernt habe.

In einem heutigen Umfeld kann ich mir soetwas schwerlich vorstellen. Ich denke aber, dass gerade das veränderte Angebot im Fernsehen und die im Internet anzutreffenden Informationen (da reicht schon youtube alleine) dies dringend nötig machen würden.
Damit wird es auch immer schwieriger etwas weiterzugeben, was man selbst nicht gelernt hat.

Und wieder einmal kann ich einen meinen Lieblingstexte "Truth and the Internet" von Vinton G. Cerf zitieren:

Let us make a new Century resolution to teach our children to think more deeply about what they see and hear. That, more than any electronic filter, will build a foundation upon which truth can stand.
Und das gilt in selbem Maße auch für die Erwachsenen.

Comments

  1. Der Gebrauch des eigenen Gehirns ist meiner Meinung nach das Wichtigste, was man seinen Kindern beibringen kann.
    Reply
    • Posted byanti
    • on
    Eins meiner Lieblingszitate passt hier auch ganz gut. Und außerdem auch zur Frau von der Leine und der unglaublichen Zensur-Situation die grade droht:

    "I worry about my child and the Internet all the time,
    even though she's too young to have logged on yet. Here's what I worry
    about. I worry that 10 or 15 or 20 years from now she will come to me and
    say, "Daddy, where were you when they took freedom of the press away from
    the Internet?'"
    - EFF staff counsel Mike Godwin, "Fear of Freedom: The Backlash
    Against Free Speech on the 'Net" at the Feb. 13 1995, Oakland, Calif.
    New Media Technology conference.
    Reply

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